Am 2. September 2020 wurde im Amtsblatt der Stadt Zürich ein Baugesuch für ein Neubauprojekt an der Witikonerstrasse 32/34 publiziert. So kurz wie trocken war dort zu lesen:
«Witikonerstrasse anstelle 32, 34, Ersatzneubau Mehrfamilienhaus mit 14 Wohnungen und 13 Autoabstellplätzen in Tiefgarage, Aufhebung der Parzellengrenze».
Für das reale Leben im Quartier bedeutet dieser Neubau nicht weniger als die eine massive Verminderung der Lebensqualität für die hier lebenden Menschen. Zudem zerstört es einen grossen, zusammenhängenden Grünkorridor und einen sich darauf befindenden Weiher. Das Bauprojekt sieht den Abriss der bestehenden Liegenschaft Witikonerstrasse 32-34, eine Verdoppelung des aktuellen Wohnvolumens sowie den Bau einer Tiefgarage inkl. Verbindung zum Baumeisterhaus vor.
Neubauprojekt unterbricht Siedlungsstruktur und Grünkorridor
Der Neubau ignoriert die aktuelle Siedlungsstruktur komplett: Er gliedert sich nicht in die bestehende, harmonische Reihe aus Heimatstilhäusern aus den 1920er Jahren ein, sondern unterbricht diese zugunsten einer maximalen Ausnutzung des Grundstücks – um möglichst viel Rendite zu erwirtschaften. Unterbrochen wird allerdings nicht nur das einheitliche Siedlungsbild, sondern auch ein einmaliger Grünkorridor zwischen Witikonerstrasse und Sempacherstrasse. Dieser lebt von der Vernetzung zwischen den naturnah gestalteten Gärten und ist von unschätzbarem Wert für die Biodiversität im Quartier. Die vorgesehenen 13 Tiefgaragen-Parkplätze bedeuten eine Versiegelung praktisch des gesamten Grundstücks und zerstören den bestehenden Weiher, in und um den sich eine vielfältige Flora und Fauna eingenistet haben.

So leben derzeit inmitten der Stadt neben Molchen und Fröschen auch Enten, Libellen und viele andere Insektenarten. Das Neubauprojekt bedeutet eine massive Verschlechterung der heute bestehenden Biodiversität. Auch der Kühleffekt der Bepflanzung und Luftzirkulation im Grünkorridor wird durch den Neubau erheblich reduziert werden. Die stark frequentierte Witikonerstrasse stellt ohnehin bereits eine enorme Belastung für das Quartier dar. In Zeiten der fortschreitenden Erhitzung des Klimas ist die Begrünung von Städten bzw. der Erhalt bestehender Grünflächen unverzichtbar, um die Folgen des Klimawandels zu bewältigen und Lebensraum zu erhalten – für Mensch und Natur.
Verlust an Lebensqualität, fortschreitende Gentrifizierung
Der durchgehende, bisher unverbaute Grünkorridor sorgt für viel Sonneneinstrahlung auf das südwestwärts gerichtete Häuserensemble. Der geplante Neubau wird zu einem grossflächigen Schattenwurf auf die anliegenden Liegenschaften und ihre viel genutzten Gärten führen. Für die hier lebenden Menschen bedeutet dies ein enormer Verlust an Lebensqualität, die Grundstücke erfahren eine substanzielle Entwertung.
Auf dem vom Neubau direkt betroffenen Grundstück an der Witikonerstrasse 32-34 weichen die heutigen preisgünstigen Mietwohnungen teuren Eigentumswohnungen. Dies fördert die weitere Gentrifizierung des Quartiers.
Anstelle eines ganzheitlichen Projektes, das der positiven Entwicklung des Quartiers dient, steht das renditeorientierte Neubauprojekt eines einzelnen Eigentümers der Lebensqualität vieler Menschen im Quartier sowie dem Schutz der Natur und des Klimas gegenüber.
Wir fürs Quartier
Die Interessengemeinschaft Lebensraum Erhalten setzt sich aktuell für Mitsprache bei diesem Neubauprojekt Witikonerstrasse 32/34 ein. Wir möchten die über Jahre gewachsene Qualität unseres Lebensraums erhalten. Wir möchten den biodiversen Lebensraum inmitten der Stadt schützen und wir fordern, dass Stadtentwicklung stets ganzheitlich der Vision von lebenswerten Nachbarschaften dient.
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Auf einen Blick
- Baugrundstück Neubauprojekt: Witikonerstrasse 32-34
- Baugesuch publiziert am 2. September 2020 im Amtsblatt Nr. 35 der Stadt Zürich
- Baugesuch: Lutisbach Park AG, Zug
- Projektverfasserin: HDPF AG, Zürich